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Wie Künstliche Intelligenz die Führungskommunikation verändert

In meinen aktuellen Gesprächen mit Führungskräften und KommunikationsexpertInnen ist eines der meistdiskutierten Themen, wie Künstliche Intelligenz (KI) die Führungskommunikation grundlegend verändert. Dabei geht es nicht nur um effizientere Abläufe – vielmehr fordert KI Führungskräfte und KommunikationsexpertInnen heraus, ihre Rollen grundlegend neu zu denken.

Führungskommunikation im Wandel

Als ich meine Karriere in einer Kommunikationsabteilung begann, verbrachten wir unzählige Stunden damit, Sätze immer wieder umzuformulieren, um sie für die jeweilige Führungskraft so perfekt wie möglich klingen zu lassen. Unternehmenskommunikation bedeutete damals vor allem, Führungspersönlichkeiten ins rechte Licht zu rücken, sie als Helden zu inszenieren und ein starkes Image sowie eine makellose Reputation aufrechtzuerhalten. Entsprechend wirkte Führungskommunikation oft wie auswendig gelernt, durchgeplant, formell – mit dem Fokus auf Konsistenz und Klarheit.

Heute machen KI-gestützte Automatisierung und Content-Tools perfekt formulierte Botschaften leichter denn je. Doch der eigentliche Bedarf liegt nicht mehr bei perfekter Kommunikation – sondern bei menschlicher, authentischer Verbindung. Mitarbeitende und Stakeholder wünschen sich Führungskräfte, die transparent, nahbar und dialogbereit sind. Paradoxerweise hat der Aufstieg von KI die Bedeutung echter, nicht geskripteter Führungsmomente sogar noch verstärkt.

Was die Veränderung für Führungskräfte und KommunikationsexpertInnen bedeutet

Für Führungskräfte:
KI schafft Effizienz – aber wirkungsvolle Führungskommunikation muss in echter Authentizität verankert sein. Weg von starren, einseitigen Botschaften hin zu echter Interaktion in Echtzeit, Offenheit und der Bereitschaft, auch Verletzlichkeit zu zeigen. Mitarbeitende schätzen Ehrlichkeit – auch (und gerade) wenn Herausforderungen und Unsicherheiten benannt werden. Im KI-Zeitalter hat dieses Bedürfnis nach Transparenz stark zugenommen. Authentizität wird zum entscheidenden Unterscheidungsmerkmal beim Aufbau von Vertrauen und echter Verbindung.

Für KommunikationsexpertInnen:
Ihre Rolle wandelt sich – von der reinen Texterstellung hin zum Kommunikationscoach für Authentizität. Statt Botschaften nur zu formulieren und zu polieren, geht es darum, Führungskräfte dabei zu unterstützen, ihre eigene Stimme zu finden, echte Gespräche zu ermöglichen und Räume für spontane, menschliche Interaktion zu schaffen. Während KI standardisierte Inhalte übernehmen kann, liegt es an KommunikationsexpertInnen, die Führungskommunikation lebendig, vertrauensvoll und nahbar zu gestalten.

Wie die Veränderung aussieht

Von „glatt poliert“ zu „echt“
Sich an AI adaptierende Führungskräfte verabschieden sich zunehmend von geskripteten Reden und sprachlich optimierten Newslettern. Vielmehr setzen sie auf spontane Formate wie Live-Q&As, ungefilterte Video-Updates und interaktive Diskussionen.

Vom senden reiner Unternehmensbotschaften zu transparentem Dialog
KI kann konsistente Inhalte liefern – aber Vertrauen entsteht durch das offene Ansprechen von Rückschlägen, Herausforderungen und Learnings. Der persönliche Austausch ist gefragter als je zuvor.

Von Autorität zur Moderation
Führung bedeutet heute weniger, die perfekteste Aussage zu liefern und den grössten Anteil an Redezeit für sich zu beanspruchen – sondern Räume zu schaffen für Austausch, Beteiligung und gemeinsames Problemlösen.

Worauf sich Führungskräfte und KommunikationsexpertInnen in Zukunft konzentrieren sollten

Führungskräfte:
Je mehr KI Routineaufgaben automatisiert und Kommunikationsprozesse optimiert, desto mehr wird Authentizität zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Führungskräfte, die Transparenz, Unvollkommenheit und echtes Engagement zeigen, bauen stärkere Beziehungen und nachhaltiges Vertrauen auf. Daher gilt:

  • Seien Sie transparent: Teilen Sie nicht nur Erfolge, sondern auch Herausforderungen offen. Verletzlichkeit schafft Vertrauen und fördert eine ehrliche Unternehmenskultur.
  • Führen Sie Gespräche in Echtzeit: Verabschieden Sie sich von geskripteten Botschaften. Suchen Sie den echten Austausch mit Ihrem Team.
  • Fördern Sie offenen Dialog: Geben Sie Raum für Feedback und Diskussionen. So entstehen Ideen, Lösungen – und ein inklusives Miteinander.

KommunikationsexpertInnen:
KommunikationsexpertInnen werden zu vertrauensvollen BegleiterInnen auf dem Weg zu authentischer Führung. Ihre Rolle liegt darin, Führungskräfte zu coachen – für mehr Offenheit, Nahbarkeit und Formate, die echte Verbindung schaffen. Dadurch tragen sie entscheidend zum Vertrauensaufbau und zur Teamkultur bei. Konkret heisst das:

  • Helfen Sie Führungskräften, echt zu bleiben: Unterstützen Sie sie dabei, ehrlich zu kommunizieren und ihrer eigenen Stimme treu zu bleiben.
  • Ermöglichen Sie den Dialog: Entwickeln und priorisieren Sie Formate wie Live-Q&As oder offene Teamgespräche, in denen echter Austausch möglich ist.
  • Stärken Sie den Mut zur Verletzlichkeit: Ermutigen Sie Führungskräfte, auch Fehler einzugestehen und daraus zu lernen – das stärkt Glaubwürdigkeit und Offenheit

Die Zukunft der Führungskommunikation besteht nicht darin, menschliche Interaktion durch KI zu ersetzen – sondern durch KI mehr Raum für echte, bedeutsame Gespräche zu schaffen. In einer Zeit rasanter technologischer Entwicklung bedeutet wahre Führung vor allem eines: den Mut, authentisch zu sein.

Transformationsprozesse brauchen ein stärkeres Involvement der nächsten Generation

Vielen Unternehmen sind gezwungen, sich im Kontext der digitalen Transformation fundamentale Gedanken über ihr zukünftiges Geschäftsmodell zu machen. Gleichzeitig stehen sie vor der grossen Herausforderung, einige ihrer Mitarbeitenden und insbesondere auch Mitglieder von Führungsgremien von der Dringlichkeit des Wandels zu überzeugen. Andererseits gibt es aber in jedem Unternehmen auch Mitarbeitende, die den Wandel sozusagen «buttom up» aktiv mitgestalten und beeinflussen könnten. Darauf wird nach meinen Beobachtungen heute noch zu wenig geachtet.

Solange die Zahlen stimmen bleibt die Dringlichkeit meistens unsichtbar

Solange die Zahlen einigermassen stimmen und der Bonus am Ende des Jahres schön auf dem Konto landet, bleiben die Auseinandersetzung mit den Konsequenzen der Digitalisierung und dem damit verbundenen Transformationsprozess etwas für den CEO und die Geschäftsleitung. Dies ist ja nicht ganz falsch, zumal ein Transformationsprozess zunächst einmal von oben gestützt werden muss, aber es wird in jedem Fall eine Herausforderung, insbesondere die nächste Führungsebene und damit verbunden dann auch weitere Mitarbeitende dazu zu bewegen, den bevorstehenden Wandel aktiv mitzugestalten, solange die allgemeine Annahme besteht, dass die Welt sich im Grunde weiter dreht wie bisher und es immer noch funktioniert so Geld zu verdienen, wie die letzten 10 Jahre.

Wer treibt die Veränderung?

Sprechen wir im Allgemeinen über Veränderung, sind die meisten damit einverstanden, dass es ein Wandel braucht, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. Betrifft dieser Wandel jedoch dann die einzelnen Personen selbst, lässt die Bereitschaft, auch sich selbst zu ändern, markant nach. Dies wird immer dann sehr schön ersichtlich, wenn es darum geht, ein Team zusammen zu stellen, welches für das Thema «Digitale Transformation» (oder Veränderung grundsätzlich) die Verantwortung übernehmen will und kann. Dabei ist klar, dass ein Transformationsprozess nur dann gelingen kann, wenn er von einem Team vorangetrieben wird, das nebst einer hierarchischen Kraft und breiten Erfahrung eine hohe Glaubwürdigkeit an den Tag legt und andere im Unternehmen für den Wandel begeistern kann.

Das ideale Transformationsteam

Die einzelnen Teammitglieder müssen in der Lage sein, ein gemeinsames Ziel über ihre eigenen Interessen zu stellen. Sie sind weitsichtig und identifizieren sich in der Regel sehr stark mit dem Unternehmen (und nicht nur mit der eigenen Abteilung). Zudem fühlen sie sich verantwortlich für die Reputation ihres Unternehmens und sind nicht Teil des Teams, weil ihnen ein Chef gesagt hat, dass dies Bonus relevant ist, sondern weil sie sich persönlich für die Zukunft des Unternehmens interessieren und intrinsisch motiviert sind. Zunächst mag man denken, dass solche Mitarbeitende rar sind, doch oft sind sie irgendwo im Unternehmen vorhanden und es ist einfach noch nicht gelungen, sie zu identifizieren. Dabei spreche ich nicht primär von aktuellen Führungspersönlichkeiten, sondern eher von zukünftigen.

Der Weg top down ist zu lang

Natürlich kann dies je nach Unternehmen auch sehr stark variieren. Gemäss meinen Erfahrungen ist die Zusammenstellung solcher Teams jedoch in vielen Organisationen immer noch viel zu stark von interner Politik und einer hierarchischen Denkweise geprägt. Denn oftmals gäbe es in diesen Organisationen vermutlich zahlreiche Mitarbeitende, die relativ einfach für einen Wandel zu begeistern wären, wenn Zweck und Idee dahinter über den richtigen Influencer an ihn oder sie herangetragen würden. Als Influencer braucht es zweifelsohne auch Leute aus der Führungsetage, aber eben nicht nur. Um ein Momentum zu erzielen, braucht es Influencer auf allen Ebenen. Der Weg top down ist einfach viel zu lange.

Ich bin deshalb stark davon überzeugt, dass es bei Transformationsprozessen ein viel stärkeres Involvement der nächsten Generation braucht und dass rein hierarchische Strukturen zu überdenken sind, wenn es darum geht, den Wandel voranzutreiben.