Wertekommunikation – Ein heikles Pflaster
Viele Unternehmen befinden sich aktuell – beschleunigt durch die Ereignisse im 2020 – in einem fundamentalen Wandel. Dazu gehört auch die Transformation der Unternehmenskultur und der ihr zugrundeliegenden Werte. Themen wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Diversity und New Work sind bereits seit einiger Zeit wichtige Treiber solcher Werterneuerungen. Dabei spielt die Kommunikation von Unternehmenswerten eine wichtige Rolle, doch oftmals wird sie überschätzt.
Lasst uns bloss in Frieden mit den Werten
Auch wenn sich Werte gegen aussen sehr gut eignen, um neue Mitarbeitende anzuziehen, sorgen sie intern oft für Augenrollen. Wir alle kennen den Grund dafür: Die Werte werden nicht gelebt und ein Verhalten, das gegen die Werte geht, hat keine Konsequenzen. Viel zu oft wird das Pferd von hinten aufgezäumt. Man beginnt zuerst, die Werte extern zu kommunizieren, bevor man sich firmenweit darüber Gedanken gemacht hat, welche Verhaltensweisen diesen Werten zu Grunde liegen. Oft werden Mitarbeitenden und Führungskräfte erst viel zu spät oder gar nicht in die Wertediskussion involviert. Am Schluss kriegt jeder eine Hochglanzbroschüre mit tollen Slogans und das Thema gilt als «kommuniziert». Eine Verankerung der Unternehmenswerte in der Unternehmenskultur findet somit nicht statt.
Krisen rütteln an unserem Wertesystem
In den letzten 12 Monaten forderten wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Krisen wie COVID19, #blacklivesmatter oder die Stürmung des Capitols in Washington unser persönliches Wertesystem enorm heraus. Ist ein altes Menschenleben weniger wert als wirtschaftlicher Erfolg? Nehmen wir ein Ansteigen der Suizidrate in Kauf, wenn wir damit die COVID Sterberate senken können? Wo beginnt Rassismus? Was bedeutet echte Solidarität? Wie fühlt es sich an, wenn jemand die Werte eines anderen (oder einer ganzen Nation) mit Füssen tritt? Was ist uns wichtig und warum? Wofür stehen wir?
Werte bestimmen unsere Entscheidungen
Die Entscheidungen, die wir treffen und die Art, wie wir uns verhalten, sind zu jederzeit geprägt von unserem persönlichen Wertesystem. Persönliche Werte sind letztlich immer authentisch. Wenn wir uns gegen sie stellen, werden wir früher oder später realisieren, dass die Entscheidung, die wir getroffen haben, nicht zu uns passt, weil sie gegen unsere Werte verstösst. Wenn wir uns nicht selbst verleugnen wollen, bleibt uns nichts anderes übrig, als die Konsequenzen zu ziehen und für unsere Werte einzustehen.
Nächste Generation stellt Werte ins Zentrum
Der Weg hin zu einer Wertetransformation ist steinig und führt in viele Sackgassen. Nur wenige Unternehmen schaffen es tatsächlich, ihre Kultur nachhaltig zu verändern, in dem die Führung die Werte rigoros vorlebt und bei Nichteinhaltung der Werte nach dem Null-Toleranz Prinzip vorgeht. Und dennoch, der «War for Talent» ist grösser denn je. Insbesondere die nächste Generation stellt persönliche Werte vermehrt ins Zentrum und tritt diesbezüglich sehr selbstbewusst und mutig auf. Wenn ein Arbeitgeber nicht ins eigene Wertesystem passt, kommt er gar nicht erst in Frage.
Keine Zeit zum Däumchen drehen
In einer Welt der Orientierungslosigkeit, in welcher wir zu jeder Zeit alles bewerten und unsere Meinung global mit jedem teilen können, sind Werte der Leuchtturm auf stürmischer See. Däumchen drehen und warten, bis jeder in der Firma verstanden hat, dass ein Wertewandel notwendig ist, kann jedoch keine Alternative sein. Vielmehr muss der Wertewandel – im Wissen um die Grenzen der Wirksamkeit von Wertekommunikation – von verschiedenen Seiten kontinuierlich und hartnäckig angegangen werden.



