Jetzt ist ein guter Zeitpunkt für Visionen

Die Corona-Krise hat nicht nur die Digitalisierung in zahlreichen Unternehmen beschleunigt, sondern auch die interne Kommunikation und die Führungskommunikation wieder zuoberst auf deren Agenda gebracht. Der Wandel ist in vollem Gange und Unternehmen sind dementsprechend bemüht, diesen erfolgreich zu kommunizieren. Aber auch die Transformation der Unternehmenskommunikation als solche hat sich in den letzten 12 Monaten stark akzentuiert und einige neue Erkenntnisse gebracht. Visionen sind wieder hoch im Kurs und Veränderungsinitiativen haben jetzt eine echte Chance, tatsächlich zu einer Bewegung der Organisation zu führen.

Visionen für das Bücherregal

In den zahlreichen Jahren, in welchen ich im Bereich Unternehmenskommunikation und Strategieentwicklung tätig bin, habe ich viele Visionen und damit verbundene Strategie Lancierungen oder Veränderungsinitiativen kommen und gehen sehen. Dabei war es Teil meines Jobs, diese für die Mitarbeitenden verständlich und erlebbar zu machen. Ich war immer davon überzeugt, dass ein Unternehmen eine Vision braucht, um gute Mitarbeitende anzuziehen und sich von der Konkurrenz abzuheben. Doch im Laufe der Zeit habe ich mich zunehmend gefragt, wie nachhaltig und effektiv all diese Programme und Bestrebungen zu einer guten Kommunikation der Vision sind und was die Mitarbeitenden letztlich davon haben.

Mit einem neuen Chef kam meistens auch eine neue Vision

Oft war es doch so: Es kam irgendwo ein neuer Chef und mit ihm eine neue Vision. Schliesslich musste dieser sich mit etwas positionieren, den Mitarbeitenden eine Idee geben, wo die Reise hingeht, dem Vorgesetzten beweisen, dass sich die Beförderung zum Chefposten gelohnt hat etc.

Je grösser die Organisation, desto mehr Visionen

Je grösser die Organisation war, desto mehr Visionen gab es. Da war nicht nur die Vision des CEOs, sondern da war auch noch die Vision der Abteilung xy, die Vision der Unterabteilung yz, die Vision von HR und natürlich die Globale Vision. Dazu kamen verschiedene Strategien und mindestens 5 Seiten Initiativen, wie man jetzt wohl diese Vision erreichen könnte. Was man am Ende vorfand war ein Haufen verwirrter Mitarbeitender, die trotz grossangelegtem Strategiekommunikations-Rollout noch nie etwas von der Vision des Unternehmens gehört zu haben meinten.

Heute werden Visionen wieder wichtiger

Auch heute gibt es noch Visionen, die nur für das Bücherregal produziert werden. Aber in Zeiten der Unsicherheit und Unplanbarkeit glaube ich, dass klare Visionen wieder wichtiger werden und Veränderungsinitiativen in vielen Unternehmen eine echte Chance haben, realisiert zu werden.

Mitarbeitende sind bereit für neue Visionen

Warum? Weil der «sense of urgency», sich zu verändern, in vielen Organisationen in den letzten Monaten stark zugenommen hat. Dies nicht nur aufgrund von COVID-19, sondern auch weil die «Purpose»-Bewegung der nächsten Generation nach klaren Visionen verlangt und weil wir durch eine beschleunigende Prozessautomatisierung unserer Arbeitswelt wieder vermehrt den Wunsch entwickeln, das Grosse Ganze zu sehen. Dies macht uns und unsere Mitarbeitenden offen für Veränderung und neue Visionen.

Es geht um Authentizität und Einzigartigkeit

Entscheidend in der Kommunikation dieser neuen Vision sind die Authentizität und Einzigartigkeit der Führungspersönlichkeit, welche für die Vision steht.  Dient die Vision lediglich zur Positionierung oder glaubt die entsprechende Person wirklich daran, die Welt ein Stück weit zu verändern? Trifft Letzteres zu, werden auch die Mitarbeitenden daran glauben und bereit sein, die Vision mit zu tragen.

Die Kommunikation muss aus der Mitte der Organisation kommen

Dabei geht es aber auch darum, zu verstehen, dass neue Visionen nicht nach herkömmlichen Mustern kommuniziert werden können. Jene Führungspersönlichkeiten, die jetzt den Wandel einläuten, müssen sich genau überlegen, wie sie ihre Mitarbeitenden auf ihren Visionen «on-boarden».  Dies funktioniert nicht mehr top down. Die Kommunikation zur Vision muss vielmehr aus der Mitte der Organisation kommen. Die Mitarbeitenden müssen die Möglichkeit haben, Teil der Vision zu sein. Das heisst, die Führungsaufgabe von aktuellen Visionären besteht darin, die Mitarbeitenden zur Verkörperung des Wandels zu befähigen.