Virtuelle interne Kommunikation – Neue Lernkultur gefragt

In vielen Organisationen hat sich die Art und Weise der internen Kommunikation in den letzten sechs Monaten stark verändert. Dauerzoom-Meetings, Skype-Apéros, virtuelle Mitarbeitergespräche und E-seeing events sind längst zum «new normal» geworden. Welche Entwicklung liegt dabei hinter uns und um welche Fragen sollten wir uns jetzt kümmern?

Fokussierung auf Technik und Austausch von Inhalten reicht nicht

Viele Organisationen haben sich bereits vor COVID-19 mit Fragen rund um die Einrichtung neuer Kommunikations- und Kollaborationsplattformen beschäftigt. Die Corona-Krise hat diesen Prozess jedoch massiv beschleunigt und für die meisten Unternehmen zur Priorität gemacht. In einem ersten Schritt stand dabei die Sicherstellung einer sauberen und funktionsfähigen Einbettung in bestehende IT-Systeme im Fokus. Parallel dazu begannen sich einige Organisationen über den vermeintlichen «Kontrollverlust» zu sorgen. Wie sollen wir nun unsere Mitarbeitenden führen, wenn wir sie nicht mehr genau im Auge haben? Dazu kamen der steigende Kostendruck und die Angst vor einer immer schwieriger vorhersehbaren Zukunft. Für Fragen nach neuen Formen der internen Kommunikation im virtuellen Raum, die über die Erschaffung von neuen Plattformen oder die Sicherstellung des Austauschs von Inhalten hinausging, war definitiv keine Zeit.

«Never waste a good crisis»

Mittlerweile haben viele Organisationen eine steile Lernkurve hinter sich gebracht. Sie haben erfahren, dass sie ihren Mitarbeitenden sehr wohl auch vertrauen können, wenn diese im «Home office» sind und die Produktivität und Mitarbeiterzufriedenheit dadurch zum Teil sogar erhöht werden kann. Auch haben viele unterdessen eine gut funktionierende Technik und regelmässige virtuelle Kommunikationskanäle eingerichtet, inklusive persönlicher Austauschplattformen für virtuelle soziale Interaktionen. Einige Organisationen haben es geschafft, die Krise insbesondere in Bezug auf die interne Kommunikation als Chance zu nutzen und konnten dank einer guten Krisenkommunikation das Vertrauen ihrer Mitarbeitenden bedeutend stärken.

Empathische Kommunikation im virtuellen Raum ist entscheidend

Und dennoch braucht es in Zukunft eine noch stärkere Auseinandersetzung mit der Frage, wie vermeintliche Kommunikationsdefizite in der internen Kommunikation überwunden werden können. Denn eins ist klar: der persönliche Kontakt ist und bleibt unersetzlich und das Bedürfnis der Mitarbeitenden nach persönlichen Interaktionen mit ihren KollegInnen und Vorgesetzten wächst mit zunehmender Isolation – auch wenn dies dank gut funktionierender Technik und etablierten neuen Kommunikationsplattformen gerne mal vergessen geht. Ebenfalls ist klar, dass die Corona-Krise der virtuellen Kommunikation einen irreversiblen Push verliehen hat und dass wir mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft vermehrt virtuell kommunizieren werden. Dies ist für die interne Kommunikation und grundsätzlich für die Führungskommunikation gerade dann eine grosse Herausforderung, wenn es darum geht, Empathie zu vermitteln. Zum Beispiel im On-Boarding Prozess, bei Mitarbeitergesprächen, in der Führungsentwicklung oder bei der Zusammenstellung von neuen Teams.

Erschaffung einer neuen gemeinsamen Lernkultur

Es stellt sich dahingehend die Frage, wie Unternehmen ihre interne Kommunikation optimieren, um trotz der Distanz durch den virtuellen Raum möglichst nahe an den Menschen zu sein. Dabei geht es primär nicht darum, nochmals einen neuen Kommunikationskanal zu erstellen oder zusätzliche Funktionalitäten in einer Kommunikationsplattform einzubauen. Es geht auch nicht darum noch häufiger zu kommunizieren oder über eine breitere Themenvielfalt zu sprechen. Vielmehr sollte die Erschaffung einer gemeinsamen Lernkultur im Zentrum stehen, innerhalb welcher sich Mitarbeitende und insbesondere Führungspersönlichkeiten damit befassen, wie ihre Kommunikation auf der anderen Seite des Bildschirms ankommt und was sie tun können, um die Distanz, die durch den virtuellen Raum entsteht, zu überbrücken.