Wiedereinstieg in den Arbeitsalltag nach dem Mutterschaftsurlaub

Als dreifache Mutter mit hohen beruflichen Zielen liegt mir das Thema «Wiedereinstieg in die Arbeitswelt» gerade im Zusammenhang mit «Next Generation Leadership» sehr am Herzen. Dabei war ich immer der Meinung, dass das Geschlecht grundsätzlich keine Rolle spielt, wenn jemand Karriere machen will. Im Gegenteil, endlose Gespräche über Diversity haben mich eher gelangweilt.

Luft nach oben

Heute sehe ich das ganze etwas differenzierter. Es gibt tatsächlich eine Reihe von Unternehmen, die bei diesem Thema noch sehr viel Luft nach oben haben und gerade wenn es um den Wiedereinstieg von jungen Müttern und Vätern sowie deren weitere Karriereentwicklung geht, liegt noch eine Menge Arbeit vor uns.

Geschlechtermischung in der Geschäftsleitung bleibt ein Generationenprojekt

Auch gemäss dem Schilling Report 2019 bleibt die Geschlechterdurchmischung in der Geschäftsleitung ein Generationenprojekt. Der Frauenanteil auf Geschäftsleitungsebene betrage zwar erstmals 9%, wobei aber erst knapp die Hälfte der 100 grössten Arbeitgeber in der Schweiz eine Frau in der Geschäftsleitung beschäftigen würden.

Mehr Frauen in der Geschäftsleitung – Unternehmen sind nach wie vor gefordert

Damit sich Unternehmen erfolgreich und nachhaltig transformieren können, sind sie auf neue vielfältige Führungskräfte und Führungsteams angewiesen, die sich von einer traditionellen Denk- und Führungsweise lösen können. Dazu gehört auch der Einzug von Frauen in die Geschäftsleitungsetage. Es soll keine Ausnahme mehr sein, dass eine Frau CEO oder Geschäftsleitungsmitglied ist. Doch hier besteht nach wie vor Handlungsbedarf.

Gemäss dem Schilling Report 2019 liegt es an den Unternehmen, der Wirtschaft und Gesellschaft, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass gut ausgebildete, kompetente junge Mütter trotz Familienplanung nicht aus dem Berufsleben ausscheiden müssen. Dasselbe gelte auch für junge Familienväter, die sich nicht mehr nur der Karriere verschreiben wollen.

Als frischgebackene Mutter steht das Thema Karriere zunächst in neuem Licht

Ich habe in den vergangenen Jahren oft beobachtet, wie der Wiedereinstieg in die Arbeitswelt nach einem Mutterschaftsurlaub auch bei sehr talentierten und erfolgreichen Frauen zu einer Verunsicherung bezüglich ihrer weiteren Karriereentwicklung geführt hat. Dass es möglich ist, Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen, haben andere bereits vorgemacht. Ist man jedoch selbst gerade frischgebackene Mutter, steht das Thema Karriere plötzlich in ganz neuem Licht.

Was denken meine KollegInnen, wenn ich um 17.00 Uhr zusammenpacke?

Was denken meine KollegInnen von mir, wenn ich plötzlich um 17.00 meine Sachen zusammen packe, weil ich mein Kind von der Krippe abholen muss. Was passiert, wenn ich nicht mehr 100% arbeiten möchte, sondern nur noch 60%. Kann ich meine Führungsrolle behalten oder sollte ich nicht lieber gleich proaktiv darauf verzichten und anderen die Möglichkeit geben, sich weiter zu entwickeln? Und soll ich nicht am besten gleich akzeptieren, dass ich nun nicht mehr ganz so zügig auf der Karriereleiter vorankomme, schliesslich habe ich ja die Familie gewollt…

Seine Bedürfnisse bezüglich Karriere klar äussern

Solche Gedanken sind durchaus real, aber genauso real ist es, dass Vorgesetzte und Organisationen keine Gedanken lesen können. Es kommt also darauf an, dass man seine Bedürfnisse als Mutter (aber auch als Vater) klar kommuniziert und dem Vorgesetzten mitteilt, wie man sich das Arbeitsleben in Zukunft vorstellt. Und dann wiederum liegt es an dem Vorgesetzten und an den Unternehmen, nicht basierend auf irgendwelchen allgemeinen Annahmen über junge Eltern hinsichtlich der weiteren Karriereschritte der entsprechenden Person zu entscheiden. Denn was oft vergessen geht, ist, dass viele junge Mütter nach dem Mutterschaftsurlaub hungriger denn je in den Arbeitsalltag zurückkehren und extrem motiviert sind, sich weiter zu entwickeln. Arbeiten sie dann bei einem Arbeitgeber, der sie auch in einem Teilzeitpensum fördert und fordert, sind die Weichen für mehr Frauen auf Geschäftsleitungsebene richtig gestellt.

Seine Bedürfnisse bezüglich Karriere klar zu äussern gilt ja im Übrigen für jedermann. Flexible Arbeitsformen und die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit bei höchst anspruchsvoller und sinnstiftender Tätigkeit sind ja genau die Bedürfnisse, welche die nächste Generation, die jetzt in die Arbeitswelt eintritt, mit sich bringen. Ich glaube nicht daran, dass diese Bedürfnisse wieder verschwinden werden. Im Gegenteil, Unternehmen werden sich in Zukunft noch stärker damit befassen müssen, wie sie diesen im Zeitalter eines Arbeitnehmermarkts (und nicht mehr eines Arbeitgebermarkts) gerecht werden.